Meine erste Woche in Hsin-Chu, Taiwan

Diese Geschichte geht vom Samstag meiner Ankunft bis zu darauf folgenden Samstag. Zukünftig fasse ich mich kürzer. 🙂

Durch die Umbuchung des Fluges war ich sehr spät erst in Taipeh. Aus dem Flugzeug raus war mir so übel … ich war total übermüdet. War mir gar nicht sicher wie ich es bis zur Universität schaffen soll.

Die „Immigration“ nach Taiwan dauerte mehr als eine Stunde, die Schlange war brutal lang. Überall muss man diese Identitäts-Zettel ausfüllen. Beim Abreisen und beim Ankommen. Immer.

Der Plan von der Uni war glücklicherweise ausreichend gut, so dass ich mit ein bisschen rumfragen auch am Kuang-Fu Campus angekommen bin.
Das war leider der falsche Campus. Mein Wohnheim ist nämlich in Boai (dem Satelliten-Campus, den Werktags ein Shuttle-Bus mit Kuang-Fu verbindet). Aber ein Student war so nett mich von dort zum anderen Campus zu fahren. Dort durfte ich erstmal Jimmy kennen lernen, den Room Manager und Helfer für alles. Bei ihm gab’s erstmal Schlüssel und Bett-Bezug (auf Umwegen, weil mein Bettzeug irgendwo auf dem mit unbekannten Kuang-Fu Campus lagerte).

Samstag: Ankunft Boai Campus

Das Durchschlags-, Übertrags- und Umlaufmappenverfahren fand ich für eine Technik-Universität beeindruckend rustikal. Ergebnis: Eine Schlüsselkarte und ein Schlüssel.
Mein tatsächlich bestelltes Bettzeug (Bedding-Paket) gab’s garnicht, stattdessen ein übrig gebliebenes. Vermutlich für eine Studentin, denn es ist alles sehr rosa.7

IMG_20140216_022240

Später gab’s noch eine unfreiwillige, aber nette Führung rund ums Wohnheim inkl. chinesischem Straßen-Essen aus der Plastiktüte.

Das Zimmer hat eine Top-Lage. Unmittelbar am Haupteingang des Wohnheims, direkt neben der Dusche und gegenüber der Toilette. Das hat zunächst mal einen Vorteil: sehr kurze Wege.
Nachteil: Geduscht wird kollektiv bis etwa 1 Uhr nachts und diese chinesischen Toiletten haben einen ganz eigentümlichen Geruch.

Ich habe keine Internet. Auch nachdem ich mir ein Ethernet-Kabel organisiert hatte, kam ich leider nur auf eine Anmelde-Seite … für deren Login konnte ich mich erst Montag registrieren, war also weiterhin von der Welt abgeschnitten.

Sonntag: Supermarkt und Mitbewohner

Das tolle in Asian ist, dass tatsächlich sonntags der Supermarkt offen hat und auch sonst die meisten Läden. Ich konnte also erstmal in den Groß-Supermarkt ein paar Bezüge kaufen, die das rosa etwas abdunkeln. Das war aber nicht alles, was fehlte … Im nackten Wohnheimplatz benötigte ich direkt mal:

  • Ethernet-Kabel
  • Klebeband
  • Schere
  • Wäscheklammern
  • Schreibheft
  • Schmierzettel
  • Handtuch
  • Stifte
  • Hausschuhe
  • Filzklebedinger für Klapper-Türen
  • Batterien
  • Knabberzeug

Waschmittel war zum Glück Teil des Bedding-Pakets.
Einen Universal-Adapter in Deutschland gekauft zu haben, war eine Top-Idee, denn die einfachen Euro-US Stecker hab ich bis jetzt nicht gefunden.

Auf dem Rückweg bin ich einmal den Markt abgewandert, der rund um ein großes Gebäude verlief. Da gab es alles. Von Ballwurf-Spielen für Kinder, Tee, Fleisch, Tofu, Autos, Klamotten … ich glaube ich habe Stinky Tofu gerochen (es war stinky). Gekauft hab ich mir nichts, dafür war ich mir dann doch zu unsicher. Trotzdem interessant.

Mein Mitbewohner kam irgendwann auch. Rudy aus Haiti. Netter Kerl, sehr extrovertiert, aber auch sehr rücksichtsvoll was Ordnung und Ruhe angeht. Da war ich wirklich beruhigt. Bei Mitbewohnern kann man es auch schlecht treffen. Ich glaube das klappt gut.

Er hat bereits ein WLAN installiert, so dass ich direkt wieder Internet hatte. 🙂

Dann ging’s aber auch schon los, weil die ganze Welt wissen wollte, wie’s mir geht und wo ich stecke und so. 🙂

Montag: Registrierung

Mit allen vorbereiteten Papieren ins „Office for International Affairs“ gewandert und mit mega Wartezeiten alle Dokumente, Kopien und Zahlungen vorgenommen. Hier hab ich Nathan kennen gelernt, der just das Selbe zu tun hatte. Darin beinhaltet war auch der noch fehlende Internet-Zugang. Auf dem Kuang-Fu Campus gibt es ziemlich überall WLAN, was sehr praktisch ist. Auf Boai im Wohnheim gibt’s das nur mit Kabel.

Die Wartezeiten nutze ich, um mich für die Kurse anzumelden. Die ersten zwei Wochen sind „Add&Drop-Weeks“, in denen man sich für Kurse anmelden kann, reinschnuppern und bei nicht-gefallen wieder abmelden kann. Der Auswahlprozess sollte noch bis Freitag anhalten. Das ist es dann geworden:

  • 3D Game Programming (Ogre3D)
  • Computer Vision (OpenCV)
  • Introductory Chinese 2
  • Introductory Chinese Conversation 2
  • Laboratory: Open Source and Software Quality

Besonders kreativ fand ich Zeit- und Raumangaben. Zeit und Raum für den Chinesisch-Kurs war bspw. 1EFA202. Alles klar? Dann ist gut. 😀

Zu guter letzt kam die Nachricht,   dass das bestellte und eingelagerte Bedding-Set bezahlt werden muss. Somit habe ich jetzt zwei, wobei das neue schon weniger feminin daherkommt. 😀

Dienstag: Erste Vorlesung und Orga

Jeden Professor habe ich angeschrieben zwecks Inhalt und Zeiten etc., so auch für das Labor und den Chinesisch-Kurs.

Mein erster Termin war ein Besuch des Professors, der das Labor Open Source & Software Quality betreut. Von ihm wurde ich erstmal zum Essen eingeladen und konnte mich vorstellen. In der folgenden Rundmail wurde ich dann als „Sicherheitsexperte“ gehandelt. Das sehe ich ein bisschen anders, aber mal sehen, was wir da machen können.

Mein Begrüßungsgeschenk, war die kleine TYPO3-Mappe, die es beim TYPO3-Camp Stuttgart als Giveaway gab. Die finale Version 6.2 könnte u.U. das nächste Opfer des an der Universität entwickelten Penetrationstests werden.

Am Nachmittag besuchte ich meine Englisch-Lehrerin, der ich mein deutsches Chinesisch-Buch und meinen Stand zeigte. Sie meinte, ich solle in den 3er-Kurs gehen, der kollidierte allerdings mit einem anderen Kurs, so dass es nur der 2er wurde. Nicht schlimm,wie sich herausstellte.

Mein erster Kurs war „3D Game Programming“. Dank dem immer ausreichenden Zeitpuffer habe ich auch pünktlich den Raum gefunden. Der Kurs wird extra für mich als einzigen externen Student in Englisch gehalten. Gut möglich, dass mich die anderen Teilnehmer jetzt nicht mehr mögen. Aber gut, meine Muttersprache ist es auch nicht …
Der Kurs macht einen relativ gut durchdachten Eindruck. Abschluss bildet ein Gruppenprojekt: ein Spiel.

Mittwoch: Chinesische Konversation

Nur ein Kurs an diesem Tag, aber gleich ins kalte Wasser. Der 2er Kurs ist gefühlt ziemlich fit. Wir durften uns zunächst untereinander vorstellen und mussten das Wissen über den anderen dann vor der Gruppe zum Besten geben.
Im Kurs lernte ich die ebenfalls deutsche Ines kennen.

Donnerstag: Chinesisch, Klappe, die zweite

Der nicht-konversationsbezogene Chinesischkurs hatte ebenfalls schon fortgeschrittenes Niveau, sah aber machbar aus. Für diesen Kurs ist ein Buch nötig.

Dort traf ich Ines wieder. Sie war sehr engagiert, mir auf dem Campus alles zu zeigen, was ich bislang noch nicht kannte. Insb. den Weg in die Buchhandlung, um mein Chinesisch-Buch zu kaufen. Und sie lief mit mir auch den (für mich völlig mysteriösen) Weg zum Boai Campus ab, damit ich das im Notfall auch weiß. Querfeldein ist das in einer halben Stunde machbar. Geschmeidig.

Den restlichen Tag verbrachte ich damit, das Ogre3D Projekt des Professors unter Visual Studio 2013 zu kompilieren. Ohne Erfolg. In jeglicher Variante.

Freitag: Gelaufen

Es kam wie es kommen musste, am Freitag habe ich den Bus verpasst. Alternative: Laufen. Jetzt wo ich den Weg theoretisch kenne … ich bin also das erste mal alleine zum Kuang-Fu Campus gelaufen und habe mich nicht verlaufen! Tschacka!

Der zweite Teil „3D Game Programming“ war schon ein wenig konkreter, aber immer noch sehr grundlegend. Dafür lernte ich Sue kennen. Sie überlegte, den Kurs auch zu machen, damit hätte ich fast ein Team gehabt, sie hat den Kurs aber dann doch nicht gewählt. 🙁 Sie erzählte vom Kurs „Computer Vision“, der wie sich herausstellte als einziger nicht mit einem meiner anderen Kurse kollidiert. Diese Vorlesung ist leider auf chinesisch, aber die Powerpoint Slides und die Tests sind in English… ich probiere das nächste Woche einfach mal aus.

Freitag Abend organisierte die Foreign Student Association der NCTU ein Barbecue. Dort traf neben Studenten aus Malaysia, Indien, Indonesien, Niederlande, Frankreich, Schweden, Iran, uvm. auch die anderen deutschen Studenten, von denen ein beachtlicher Teil ganz in meiner Nähe studiert: ESB in Reutlingen. Ich muss sie wohl am China-Kompetenz-Tag gesehen haben, konnte mich aber nicht erinnern. Verrückt auf jeden Fall.
Es gab dünn geschnittenes Fleisch, Brötchen und Softdrinks. Ein paar Studenten hatten das taiwanesische Bier gekauft und mir sogar eins abgegeben.

DSCN0128

 

Die Heimreise ermöglichte mir ein ansässiger Student auf seinem Roller. Der Roller ist übrigens DAS Fortbewegungsmittel in Hsin-Chu.

Einige gingen noch in einen Club, ich aber nicht, denn … für Samstag wurde ebenfalls von der Foreign Student Association ein Tagesausflug mit ordentlich Kultur angeboten. Um 8:00 morgens sollte der Bus abfahren.

Samstag: A Day-Trip

Samstag fiel mir für den Tagesausflug, kurz nach sieben morgens, 20 Minuten bevor der Campus-Shuttle-Bus kommt ein, dass Samstags gar kein Campus-Shuttle-Bus kommt und ich wieder laufen muss. Zum Glück hab ich das ja jetzt drauf.

 

Auf dem Daytrip und bei einigen anderen Gelegenheiten fiel auf, dass mein Wohnheim eher geringe Präferenz genießt.
Jedem, dem ich sage, auf welchem Kampus ich lebe macht ein bemittleidendes Gesicht, als hätte ich eine unheilbare Krankheit und müsse bald sterben.

One comment
  1. Hi Rüdi,

    Hatte jetzt erst Zeit mir alles mal in Ruhe durchzulesen.
    Gut zu hören dass die Reise im großen und Ganzen gut verlaufen ist und die groben Rahmenbedingungen stehen.
    Wünsche dir eine gute Zeit 🙂

Add Comment

Required fields are marked *. Your email address will not be published.